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Manager im Wolfsrudel

In einem Wildpark nördlich von Berlin können Führungskräfte in Seminaren von Wölfen lernen.

Der ideale Chef: "Alpha-Wölfe zeichnen sich durch Ruhe und Gelassenheit aus, verhalten sich souverän und haben Charisma", erklärt Janet Nagel. Die Berlinerin organisiert seit etwa einem Jahr im Wildpark Groß Schönebeck nördlich der Hauptstadt Wolfsseminare für Manager. Das Interesse ist groß: Pharma-Unternehmer, Forscher, Leiter einer Fitness-Center-Kette und Manager aus vielen anderen Branchen sind unter den Teilnehmern, die das Seminar "Was Führungskräfte von Wölfen lernen können" besuchen.

Manager-Seminare mit Tieren wie Hunden, Pferden oder Greifvögeln gibt es schon häufiger. Wolfsseminare sind noch selten - und sie werden immer beliebter. Bei den Wölfen ist vor allem die ausgeprägte Sozialstruktur für Führungskräfte interessant, erklärt Janet Nagel. "Ein Rudel will geführt werden. Außerdem müssen für ein stabiles Gefüge Regeln aufgestellt und umgesetzt werden."

Wolfsbeobachtungen

Vermitteln sollen dies neben Vorträgen vor allem Wolfsbeobachtungen. Auch dem Wolfsgeheul einfach nur zuhören ist angesagt. "Das Heulen stärkt den Zusammenhalt im Rudel", sagt die Seminarleiterin. "Es ist wie in einer Firma, wenn ein neues Projekt gestartet wird. Auch dafür werden erst einmal die einzelnen Positionen verteilt."

Die Wolfsbeobachtungen sollen den Chefs - und jenen, die es werden wollen - auch neue Blickwinkel auf sich selbst und ihre Teams eröffnen. Dass es zahlreiche Parallelen zur Arbeitswelt gibt, wird den Teilnehmern rasch klar. So haben etwa die Alpha-Wölfe im Gehege die besten Bereiche. "Auch im Unternehmen hat der Chef den besten Platz", sagt Janet Nagel.

Kein böser Wolf

Gängige Vorstellungen über den "bösen Wolf" müssen hingegen schnell über Bord geworfen werden. Denn die Alpha-Wölfe führen ihr Rudel nicht mit Aggressivität oder Druck. Kunden seien oft erstaunt, wie fürsorglich der Alpha-Wolf ist und wie intensiv er sich um sein Rudel kümmert, so Janet Nagel. Das sei für manche Teilnehmer eine Überraschung - Manager vergäßen immer wieder, dass es um gemeinsame Ziele gehe und dafür alle Kräfte nötig seien.


Artikel vom 25.12.2009 19:49 | KURIER | Alexandra Uccusic


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