Impressionen aus Afghanistan

Heute war ein schlechter Tag, und ich kann aus diesem Drecksloch nix Schönes erzählen. Ich hasse das Land gerade! Alles Verbrecher hier, ich traue niemandem! Betet zu Gott, dass alles gut wird! Ich liebe und vermisse Euch alle!!
Hauptgefreiter Robert Klein, 23, Kabul 2007.

Heute Mittag fand mein Essen bei den Afghanen statt, auf Einladung eines afghanischen Offiziers. Danach durfte ich meinen Mittagsschlaf in seiner Schlafkoje halten (auf seinem Dienstzimmer), er nahm mit einer Liege außerhalb des Zimmers vorlieb. An die Tür hefteten sie ein Schild: »Nicht stören, hier schläft Cptn Jötten«.
Hauptmann Marc Jötten*, 53, Kabul 2004.

In fast jedem Dorf werden wir zum Essen eingeladen. In Windeseile wird an einem Plätzchen unter einem Baum ein Teppich ausgebreitet, und nach kurzer Zeit treffen Helfer mit Tee-Thermoskannen, Knabbereien und Fladenbrot ein. Das Brot wird von den freundlichen Gastgebern mit unfassbar schmutzigen Händen gebrochen. Egal, ist nur eine Tagestour, der Durchfall kommt frühestens im Camp. Unser Gastgeber bezeichnet sich als Polizeichef des Dorfes, Uniform trägt er nicht. Stolz präsentiert er uns dafür seine Pistole und seine AK-47. Im Gegenzug darf er sich unsere (entladenen) Waffen ansehen. Nach dieser Waffenschau verabschieden wir uns höflich und machen uns auf den Rückweg.
Oberstabsarzt Jens Weimer, 34, Faisabad 2007.

Kommt man ein drittes, viertes Mal in ein Dorf, wird die Arbeit am und für den Patienten immer intensiver. In zwei Dörfern darf ich nun auch in einem separaten Raum Frauen untersuchen (sprich: anfassen und anschauen), was ich als kleinen Erfolg feiern kann.
Stabsarzt Christian Werner, 38, Kabul 2005.

Wenn es stimmt, dass die Eskimos 90 verschiedene Worte für Schnee haben, müssen die Afghanen 100 verschiedene Wörter für braun haben. Unglaubliche Farben aus dem Helikopter heraus, so was habe ich noch nie gesehen.
Stabsoffizier Hermann West, 40, Kabul 2008.

Ich griff auf den Rücksitz, wo eine Palette mit Gummibärchentüten, die wir aus dem Lager mitgebracht hatten, stand, und drückte dem bettelnden Jungen zwei Tütchen in die Hand. Danach fiel eine Meute aus dem Nichts über mich her. Noch einmal griff ich nach hinten, hatte vielleicht zehn Gummibärchentüten in der Hand, die mir schreiende Kinder, Männer und Mütter mit hysterisch aufgerissenen Augen und Mündern entrissen. Ich warf in meiner Hilflosigkeit die restlichen Tüten in die Menge. Eigentlich finde ich diese Geste unerträglich, weil es ein Ausdruck extremer Großkotzigkeit ist, anderen Menschen etwas vor die Füße zu werfen, um das die sich dann reißen können. Aber ich wusste nicht, was tun.
Oberleutnant Claus Liesegang, 41, Kabul 2003.

Letztens wären Soldaten fast von Flüchtlingen überrannt worden, als sie Hilfsgüter in ein Flüchtlingslager gebracht haben; sie mussten Warnschüsse abgeben, um Chaos, Gedränge und Tote zu verhindern – so verzweifelt sind die Leute hier. Täglich erfrieren und verhungern Menschen in Afghanistan.
Oberfeldwebel Dominik Hirz, 30, Kabul 2008.


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