Tigerattacke. schon wieder Aschersleben

Zoo-Pflegerin beim Käfigputzen angegriffen „Mein Tiger biss mir ins Genick“

Zoo-Pflegerin beim Käfigputzen angegriffen: „Mein Tiger biss mir ins Genick“
 
 
 
Zoo-Pflegerin beim Käfigputzen angegriffen
Linda Gruhn (30) in ihrem Krankenbett in der Magdeburger Uni. Ihr gebrochener Halswirbel ist mit einer Plastik-Halskrause fixiert
Foto: Siegbert Heiland
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29.12.2009 - 08:41 UHR
Von ANDREAS RADECK

Ein Plastikgestell stützt ihre gebrochenen Halswirbel. Pflaster kleben über den tiefen Bisswunden im Nacken. Tierpflegerin Linda Gruhn (30) wurde von ihrem Tiger im Gehege angegriffen – und fast totgebissen.

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Seit der Raubtier-Attacke liegt sie im Krankenhaus. Jetzt spricht die Pflegerin erstmals über ihre Sekunden in Todesangst. Sie sagt: „Ich bin so froh, dass ich noch lebe.“

Das Drama im Zoo Aschersleben (Sachsen-Anhalt) passierte am 19. Dezember. Die Tierpflegerin säuberte den Stall des weißen Männchens Karim (3). Was sie nicht merkte: Das Absperrgitter, das die Raubkatze während der Reinigung fernhalten soll, war noch offen. Plötzlich stürzte sich Karim auf seine Pflegerin!

„Es ging alles so schnell“, sagt sie. „Er tauchte plötzlich hinter mir auf und packte mich.“ Die Reißzähne des Bengalischen Tigers bohrten sich tief in ihren Hals und Nacken. Dann knackte es laut – der Tiger hatte ihr einen Halswirbel gebrochen, wie die Ärzte später feststellen.

Linda Gruhn: „Ich dachte, jeden Moment ist es aus. Instinktiv stellte ich mich tot, um Karim nicht noch wütender zu machen.“

Das Raubtier schleifte die junge Frau raus aus seinem Käfig. „Ich war die ganze Zeit bei vollem Bewusstsein, dachte, er will mich aus seinem Revier ziehen. Also versuchte ich, weiter ruhig zu bleiben“, sagt sie.

Ein Kollege brachte den Tiger schließlich durch Rufe dazu, von seinem Opfer abzulassen.

Die Zoo-Mitarbeiterin weiß, dass sie viel Glück hatte: „Karim hätte mich schon mit dem ersten Biss töten können.“

Wenn sie wieder gesund ist, will die Pflegerin wieder im Zoo arbeiten. Sie sagt: „Das ist und bleibt mein Traumberuf.“

Tierpflegerin ist inzwischen auf dem Weg der Besserung

Gewerbeaufsicht und Berufsgenossenschaft ermitteln Unfallhergang - Beteiligte Personen noch nicht befragt

VON HARALD VOPEL, 29.12.09, 17:06h, aktualisiert 29.12.09, 21:09h
Tiger Karim
Tiger Karim schlich sich durch ein geöffnetes Gatter an und attackierte seine Pflegerin. (FOTO: FRANK GEHRMANN)
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ASCHERSLEBEN/MZ. Dem Leiter des Ascherslebener Zoos, Dietmar Reisky, ist erst einmal ein Stein vom Herzen gefallen. Wie er gestern sagte, habe er telefonisch mit Tierpflegerin Linda Gruhn gesprochen, die am 19. Dezember bei der Reinigung des Tigergeheges von Tigermännchen Karim angefallen und schwer verletzt wurde. Ihr gehe es inzwischen wieder etwas besser. "Jetzt kommt es darauf an, dass sie möglichst schnell wieder völlig gesund wird und wieder arbeiten kann", so Reisky. Die Pressesprecherin der Stadt Aschersleben, Anke Lehmann, erklärte, dass Oberbürgermeister Andreas Michelmann und Zoo-Chef Dietmar Reisky die Mitarbeiterin in den nächsten Tagen im Krankenhaus besuchen wollen.
Die 30-jährige ausgebildete Tierpflegerin war aus dem Zoo Aachen nach Aschersleben gekommen. Zu ihren Aufgaben gehört die Betreuung und Pflege der Raubtiere, aber auch einer Reihe von Huftieren und Vögeln. Dietmar Reisky habe sie als umsichtige und engagierte Mitarbeiterin schätzen gelernt. Bei der Attacke des Tigers, der sich durch ein offen stehendes Gatter angeschlichen, seine Pflegerin am Hals gepackt und bei vollem Bewusstsein auf die Freianlage gezerrt hatte, erlitt die Frau schwere Verletzungen - unter anderem einen Wirbelbruch - und musste mit dem Hubschrauber in die Uni-Klinik nach Magdeburg geflogen werden (MZ berichtete). Wie es zu dem Unfall kommen konnte, dazu ermittelt gegenwärtig das Gewerbeaufsichtsamt Halberstadt. Die dort zuständige Sachgebietsleiterin Erika Löhr erwarte sich vor allem von einer Befragung der Beteiligten Aufschluss zum Unfallhergang. Im Zoo Aschersleben sei geregelt, dass die Arbeiten in den Raubtiergehegen immer von zwei Mitarbeitern erledigt werden müssen. So war es dem stellvertretenden Zoo-Leiter, Jörgen Kallas, gelungen, den Tiger vom Unfallopfer wegzulocken und in einen anderen Teil des Geheges einzusperren. Da auch Jörgen Kallas im Krankenstand ist, sei eine Befragung beider bisher nicht möglich gewesen, so die Mitarbeiterin der Gewerbeaufsicht. So gut wie sicher sei, dass der technische Zustand der Anlage einwandfrei war, erklärte Erika Löhr. Sie hoffe noch im Januar auf ein endgültiges Untersuchungsergebnis des Unfalls.
Neben der Gewerbeaufsicht ist auch die Unfallkasse Sachsen-Anhalt als Berufsgenossenschaft für den öffentlichen Dienst mit dem Unfallhergang befasst. Dort gehe man nach bisherigen Erkenntnissen davon aus, dass sich die Tierpflegerin allein am unmittelbaren Unfallort aufgehalten habe, sagte der Leiter des Bereichs Prävention, Rainer Kutzinski. Allerdings sei ihm auch nicht bekannt, dass es überhaupt eine Vorschrift gebe, die amtlich regelt, dass Reinigungsarbeiten in einem Raubtiergehege zwingend von zwei Personen geleistet werden müssen. Damit befindet er sich übrigens in Übereinstimmung mit dem Zoo Leipzig. Dessen Mitarbeiterin für Öffentlichkeitsarbeit erklärte auf Anfrage, dass aus Leipziger Sicht eine solche Regelung allein Sache des einzelnen Zoos sei.

 

 


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