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"Kein Tierhändler auf Wilhelma-Gelände"

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Deutsche Zoos sollen laut Peta Tiere an Händler verkauft haben - Stuttgarter Zoo wehrt sich gegen Vorwürfe
 

Die Tierschutzorganisation Peta kritisiert die angeblich dubiosen Praktiken deutscher Zoos bei der Vermittlung ihrer Tiere. Auf der Schwarzen Liste steht auch der Zoo in Karlsruhe. Die Stuttgarter Wilhelma distanziert sich von den Vorwürfen, über die jüngst das ARD-Magazin "Report München" berichtete.

Von Eva Funke

STUTTGART. Marianne Holtkötter, stellvertretende Direktorin des Stuttgarter Zoos Wilhelma, ist empört. Allerdings nicht über die angeblich skandalösen Praktiken bei der Tiervermittlung deutscher Zoos, sondern über die "veralteten, mit Halbwahrheiten gespickten" Behauptungen.

Unter dem Titel "Krokodil günstig abzugeben. Die unglaublichen Praktiken deutscher Zoos" berichtete "Report München" darüber, dass der Tierpark Berlin zwei Streifenhyänen, der Tierpark Aschersleben unter anderem zwei Nilkrokodile und der Berliner Zoo elf Wölfe an einen Tierhändler abgegeben haben sollen. Die Lieferung soll an die Privatadresse des Händlers in einem Wohngebiet in Bad Bentheim gegangen sein. Drei der elf Wölfe sollen weiter an einen Hühnerhof nach Holland transportiert worden sein, der Verbleib vieler anderer Tiere im Dunkeln liegen. Der Bericht bezieht Informationen der Tierschutzorganisation Peta Deutschland mit ein, die ihren Sitz in Gerlingen im Kreis Ludwigsburg hat.

Frank Albrecht, Zoo-Experte bei Peta, bestätigte auf Anfrage dieser Zeitung, dass rund ein Dutzend deutsche Zoos in die dubiosen Geschäfte verwickelt sei. Die Wilhelma stehe nicht auf der Schwarzen Liste, wohl aber der Zoo in Karlsruhe. Albrecht: "Unsere Unterlagen belegen, dass von dort im März 2008 ein Bennett-Känguru und eine Gruppe von mindestens 20 der bedrohten Hirschziegenantilopen an den gleichen Händler in Bad Bentheim geliefert worden sind." Die Kritik des Tierschützers: Der Händler, der im September 2006 offiziell den Handel aufgegeben habe, bringe die Tiere während des Transports nicht artgerecht unter. Außerdem würden die Tiere von einem Käufer zum nächsten weitergereicht und bei unseriösen Zoos, Tier- und Safariparks, in Zirkussen oder in privaten Holzverschlägen verschwinden. Und: Das Geschäft mit den Tieren werde vom Steuerzahler finanziert. Albrecht: "Die Zoos werden staatlich subventioniert. Sie geben überflüssige Tiere billig an den Händler ab, der sie dann teuer verkauft."

Während der Karlsruher Zoo sich zu den Vorwürfen nicht äußern wollte, versichert die Wilhelma, dass "seit zig Jahren" kein Händler mehr auf dem Zoogelände gewesen und bei der Vermittlung von Tieren kein Geld im Spiel sei. "Wir verkaufen Tiere nicht. Wir tauschen sie aus. Lediglich für den Transport kommt der neue Zoo auf", sagt Wilhelma-Vizechefin Holtkötter. So bleibe das Eisbärenkind Wilbär, das im Mai 2009 von Stuttgart nach Orsa (Schweden) in den dortigen Bärenpark umgezogen ist, Eigentum der Wilhelma.

Garant für die Seriosität der Wilhelma sei die Mitgliedschaft beim Europäischen Zoo- und Aquarienverband und die Teilnahme am europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP). Ein Projekt, an dem sich auch der Karlsruher Zoo beteiligt. "Das bedeutet, dass Tiere stark bedrohter Arten nicht in freier Wildbahn gefangen, sondern im Zoo sich selbst erhaltende Populationen aufgebaut werden", so Holtkötter. Im EEP werde über jedes einzelne Tier genau Buch geführt. Ein sogenannter Artkoordinator kenne die Daten eines jeden Tiers und gebe Empfehlungen für die Vermittlung. Holtkötter: "Wir wissen ganz genau, in welche Zoos unsere Tiere kommen."

Gezüchtet werden laut Holtkötter vor allem Tiere, für die es eine Nachfrage gibt. Sogenannte Nicht-Zuchtempfehlungen für bestimmte Arten sollen verhindern, dass deren Zoobestand zu groß wird und die Zoos keine Plätze haben. Holtkötter: "Wissen wir nicht, dass wir die Tiere über das EEP gut abgeben können, müssen unsere Besucher wie jetzt bei den Tigern eine Zeit lang aufs Anschauen von Nachwuchs verzichten."

Trotz ausgeklügelten Fortpflanzungsprogramms gibt es Pannen: So sollten in Magdeburg im EEP Sibirische Tiger gezüchtet werden. Weil der Erzeuger von drei Tigerbabys nicht reinrassig war, ließ der Zoo sie einschläfern. "Ein Test, mit dem die Reinrassigkeit des Vaters vor der Zeugung hätte festgestellt werden können, kam erst nach der Zeugung auf den Markt", sagt eine Zoo-Sprecherin. Fürs Einschläfern habe man sich entschieden, damit die für die Zucht untauglichen Babys eben nicht bei dubiosen Händlern oder im Zirkus landen. Ob das Vorgehen ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz darstellt, prüft derzeit die Generalstaatsanwaltschaft - nachdem die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen eingestellt hat. In Stuttgart gab es solche Vorkommnisse laut Holtkötter nicht. "Werden Tiere eingeschläfert, muss es einen guten Grund geben. Sonst macht unser Tierarzt nicht mit."

Holtkötters Vorwurf, veraltete, halbwahre Berichte an die Öffentlichkeit zu bringen, weist Peta zurück. "Unsere Quellen sind seriös. Die Fälle liegen zwischen 2006 und 2009", sagt Albrecht. Peta plant, Anzeige zu erstatten.


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